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Vernichtungskrieg

 

Stichwort: Intermarium

Der Begriff Intermarium bezeichnete ein Konzept der polnischen Politik nach 1919, das Polen als natürliches Zentrum der osteuropäischen Politik zwischen Ostsee und Schwarzem Meer betrachtete. In seiner extremen Ausprägung bedeutete dies die Forderung nach einer Rückkehr zu den Grenzen des 17. Jahrhunderts, als das mit Litauen verbundene Polen phasenweise an beide Meere grenzte. Radikale Nationalisten wie der Historiker Adolf Bochenski forderten eine entsprechende Politik, die gegenüber Deutschland mindestens auf eine Abspaltung und mögliche Annexion Ostpreußens durch Polen abzielte. Polens Außenminister Beck ließ 1938 erkennen, neben Ostpreußen auch Schlesien und Pommern als Eroberungsziele im Auge zu haben. Die polnische Heimatarmee gab während des Krieges 1942 Flugblätter und Briefmarken heraus, auf denen entsprechend der Intermarium-Pläne die Landkarte eines siegreichen Polen abgebildet war, das neben umfangreichem Kolonialbesitz (Kamerun, Tansania und Madagaskar) auch Land bis zu Oder und Neisse besaß, sowie ans Schwarze Meer reichte.

Heute wird das Intermarium gelegentlich als ein Gegenkonzept zur deutschen Mitteleuropakonzeption Friedrich Naumanns gedeutet, der während des Ersten Weltkriegs eine wirtschaftliche Union Deutschlands mit Ungarn, Rumänien, Jugoslawien und Polen vorgeschlagen hatte.

 

Literatur:

Carl Burckhardt: Meine Danziger Mission, München 1980

Friedrich Sieburg: Polen - Legende und Wirklichkeit, Frankfurt 1934

Claudia Kraft/ Katrin Steffen (Hrsg.): EUROPAS PLATZ IN POLEN, Polnische Europakonzeptionen vom Mittelalter bis zum EU-Beitritt, Osnabrück 2007